Bremen: Mischwasserkanal im Ei-Profil mit UV-Liner saniert

Freilassing / Landsberg / Standort Nürnberg / Stuttgart

Rohrinspektion & Prüftechnik
Construction worker at a street dig site beside an open manhole and drilling rig on a city road.

Autorin: Myriam Johnke, Projektleiterin der Swietelsky-Faber GmbH

In der Erlenstraße in Bremen wurde ein rund 620 m langer Mischwasserkanal mit Ei-Profil DN 1070/1605 grabenlos mittels UV-Liner nach DIN EN ISO 11300-2 saniert. Neben der Erneuerung des Hauptkanals umfasste die Maßnahme auch die Renovierung von 120 Anschlussleitungen sowie umfangreiche Schachtsanierungen. Aufgrund der bauseits nicht vorhandenen Übergabeschächte mussten für jede Anschlussleitung eigene Kopfbaugruben hergestellt werden. Eine komplexe Vorflutsicherung mit aufgeständerter Bypass-Leitung gewährleistete während der Bauarbeiten den kontinuierlichen Abwasserabfluss – trotz stark frequentierter Verkehrsachsen und Straßenbahnverkehr.

Grabenlose Rohrsanierung in der Erlenstraße

Es wurde in der Erlenstraße in Bremen eine umfassende Rohrsanierungsmaßnahme am bestehenden Mischwasserkanal sowie an den zugehörigen Anschlussleitungen und Schachtbauwerken realisiert. Primäres Ziel des Projekts war die nachhaltige strukturelle Ertüchtigung der vorhandenen Infrastruktur bei möglichst minimalinvasiven Eingriffen in den Straßenraum.

Die Arbeiten wurden von der Niederlassung Hamburg der Swietelsky-Faber in zwei Bauabschnitten umgesetzt und kombinierten mehrere grabenlose Sanierungsverfahren mit punktuellen Eingriffen.

Besondere Randbedingungen im Sanierungsbereich

Die Erlenstraße im Bremer Stadtteil Neustadt weist im Sanierungsbereich abwechselnde Pflaster- und Asphaltflächen auf. Dies führt in innerstädtischer Lage zu zusätzlichen Anforderungen an Bauablauf und Verkehrsführung, da eine offene Bauweise umfangreiche Aufnahmen und Wiederherstellungsarbeiten der Pflasterflächen erfordert hätte. Durch den Einsatz grabenloser Verfahren konnte die vorhandene Straßenoberfläche weitgehend erhalten bleiben, und es mussten lediglich partiell an den notwendigen Baugruben für Linereinzug und Schachtzugänge Pflasterflächen angepasst werden.

Sanierung des Hauptkanals mittels UV-Liner

Kern der Maßnahme war die Sanierung eines rund 620 m langen Mischwasserkanals im Ei-Profil DN 1070/1605. Aufgrund des baulichen Zustands der Bestandsleitung fiel die Wahl auf eine grabenlose Sanierung mittels GFK-UV-Liner der Firma IMPREG.

Das Verfahren umfasste folgende Arbeitsschritte:

  • Reinigung und Vorbereitung des Altkanals
  • Einzug des glasfaserverstärkten Liners
  • Aushärtung mittels UV-Licht
  • abschließende TV-Untersuchung
  • Öffnen der Anschlüsse
  • Anschlussanbindung
  • Qualitätskontrolle durch externe Gutachter

Durch den Einbau des Liners konnte die statische Tragfähigkeit des Kanals wiederhergestellt und die Nutzungsdauer der Leitung deutlich verlängert werden.

Für den Einzug des Liners wurden mehrere großdimensionierte Einziehbaugruben hergestellt. Deren Planung und Anordnung erfolgte unter Berücksichtigung der vorhandenen Leitungsinfrastruktur, der Bodenverhältnisse sowie der Anforderungen an Arbeitssicherheit und Baustellenlogistik. 

Sanierung von 120 Anschlussleitungen

Neben dem Hauptkanal wurden insgesamt 120 Anschlussleitungen für Schmutz- und Regenwasser saniert.

Da im Projektbereich nur wenige Übergabeschächte vorhanden waren, musste für jeden Hausanschluss eine separate Kopfbaugrube hergestellt werden. Von diesen Baugruben aus wurden Hausanschlussliner in zwei Richtungen installiert:

  • in Richtung Gebäude
  • in Richtung Hauptkanal

Dieses Vorgehen ermöglichte eine vollumfängliche Sanierung der Anschlussleitungen, ohne zusätzliche Tiefbaumaßnahmen entlang der gesamten Leitungsstrecken ausführen zu müssen.

Sanierung und Neubau von Schachtbauwerken

Im Zuge der Maßnahme wurden mehrere Schachtbauwerke instandgesetzt:

  • 11 Schächte vollständig saniert
  • 1 Schachtspiegel erneuert
  • 1 Schacht neu errichtet

Die Sanierung der bestehenden Abwasserschächte erfolgte in einem mehrstufigen Prozess. Zunächst wurden die Bauwerke mittels Injektionsverfahren abgedichtet, um Undichtigkeiten sowie drückendes Wasser dauerhaft zu unterbinden. Anschließend erfolgte eine mineralische Innenbeschichtung, die der Egalisierung der Oberfläche sowie der strukturellen Stabilisierung dient und gleichzeitig einen geeigneten Haftgrund für weitere Beschichtungen schafft.

Den Abschluss bildete eine mehrlagige GFK-Handlaminat-Beschichtung. Diese gewährleistet einen langfristigen Korrosionsschutz, eine hohe chemische Beständigkeit sowie eine glatte und hydraulisch günstige Oberfläche.

Sicherstellung der Vorflut während der Bauarbeiten

Während der gesamten Bauzeit musste die kontinuierliche Ableitung des Abwassers gewährleistet bleiben. Hierzu wurde eine temporäre Vorflutsicherung mittels Bypass-Leitung installiert.

Ein Großteil der Leitung wurde erdverlegt. In Bereichen mit größeren Zufahrten sowie an Nebenstraßen und zwei stark frequentierten Hauptverkehrsstraßen musste die Leitung jedoch über Aufständerungen geführt werden.

Diese Konstruktionen ermöglichten:

  • die sichere Überführung der Bypass-Leitung über den Straßenraum
  • den störungsfreien Ablauf des öffentlichen Nahverkehrs und Individualverkehrs
  • die Aufrechterhaltung von Feuerwehrzufahrten
  • die Erreichbarkeit angrenzender Straßen und Grundstücke

Aufgrund der hohen Verkehrsbelastung wurden Arbeiten an den Aufständerungen ausschließlich nachts durchgeführt, um die Beeinträchtigungen für den Verkehr möglichst gering zu halten.

Umsetzung in zwei Bauabschnitten

Die Gesamtmaßnahme wurde in zwei Bauabschnitten realisiert.

Im ersten Bauabschnitt erfolgte die Sanierung des nördlichen Kanalabschnitts. Parallel dazu wurde die erste Vorflutsicherung aufgebaut und eine erste Gruppe von Anschlussleitungen saniert. Zudem wurden mehrere Schachtbauwerke instandgesetzt.

Der zweite Bauabschnitt umfasste die Sanierung der südlichen Kanaltrasse. Hierfür wurde die Bypass-Leitung entsprechend umgesetzt. Darüber hinaus erfolgte die Sanierung weiterer Anschlussleitungen sowie der Neubau eines zusätzlichen Schachtes. Den Abschluss der Arbeiten bildeten abschließende Inspektionen und Dokumentationen der sanierten Leitungsabschnitte.

Fazit

Besondere Herausforderungen stellten die großdimensionierten Einziehbaugruben für den UV-Liner, die Herstellung von Kopfbaugruben für jeden Hausanschluss sowie die komplexe Vorflutsicherung über aufgeständerte Leitungen im Bereich stark frequentierter Verkehrsachsen mit Straßenbahnverkehr dar.

Ein besonderer Dank gilt der gesamten Mannschaft der Niederlassung Hamburg für ihr Engagement und die professionelle Umsetzung der Maßnahme.

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