Freilassing / Standort Nürnberg
Grabenlose Schachtsanierung in der Brauerei Tegernsee minimiert Umweltbelastungen und maximiert Bauwerkserhalt
Quelle: Swietelsky-Faber GmbH
Autor: Dipl.-Ing. (FH) Johann Tiefenthaler, Bauleiter der Swietelsky Faber GmbH (GB Süd)
Die grabenlose Sanierung von Abwasserschächten leistet einen wesentlichen Beitrag zum Klima- und Bodenschutz: Sie reduziert Fremdwasser, minimiert Eingriffe in den Untergrund und verlängert die Lebensdauer kritischer Infrastrukturbauwerke. Ein aktuelles Beispiel dafür ist die Sanierung der Abwasserschächte auf dem Gelände der Brauerei Tegernsee – einem traditionsreichen Standort in unmittelbarer Seenähe. Die Maßnahme schützt das umliegende Erdreich, das Grundwasser sowie den Tegernsee selbst vor möglichen Schadstoffeinträgen.
Ausgangslage: Hohe chemische und thermische Belastungen
Bereits 2022 beauftragte die Brauerei die Swietelsky-Faber GmbH mit der Entwicklung einer geeigneten Sanierungsstrategie für ihre erst acht Jahre alten Standardbetonschächte. Eine Zustandsinspektion zeigte deutliche Nutzungsschäden:
- Aufgelöste Zementverfugungen an Rohranbindungen und der Steinzeughalbschale, teilweise mit Sicht auf das Erdreich
- Materialangriffe durch biogene Schwefelsäure
- Thermische Spitzenbelastungen bis zu 120 °C
- Stark schwankende Medien mit hohen Konzentrationen (u. a. HCl bis 10 %, NaOH bis 40 %)
Diese extremen Einsatzbedingungen erforderten ein außergewöhnlich widerstandsfähiges Sanierungssystem.
Materialevaluierung: Von GFK-Laminaten zu Polyurea
Zunächst wurden GFK-Handlaminat-Systeme auf Vinylesterharzbasis sowie mineralische XWW-4-Mörtel getestet. Ein sechsmonatiger Praxistest im Abwassersystem zeigte jedoch deutliche Defizite:
- Betonbohrkerne überschritten Grenzwerte für Chlorid- und Sulfatbeständigkeit
- Das VE-Laminat wies optische Strukturschäden auf
Daraufhin wurden neun weitere Hersteller und Systemanbieter evaluiert. Schließlich zeigte sich Polyurea des Herstellers OBIC als vielversprechende Lösung. Um die Langzeitbeständigkeit unter realen Betriebsbedingungen zu überprüfen, wurden über einen Zeitraum von zehn Wochen Prüfkörper im Abwassersystem eingelagert.
Der Vergleich von SOLL- und IST-Proben, durch das Prüfinstitut SBKS, mittels Shore-Härtemessung ergab identische Werte – ein Indikator dafür, dass das Material weder gealtert noch mechanisch oder chemisch beeinflusst wurde. Damit war Ende 2024 das geeignete System identifiziert.
Sanierung im laufenden Betrieb: OBIC-Beschichtungssystem überzeugt
Die Sanierung erfolgte im November 2025 während einer Produktionsreduktionsphase. Nach Wasser-Hochdruckreinigung, Entfernung der Steigeisen und dem vollständigen Ausbau der teilweise geschädigten Steinzeughalbschalen wurden die Schachtbauwerke entfettet und mit einem Primer vorbereitet.
Das dreilagige OBIC-Beschichtungssystem wurde wie folgt appliziert:
- OBIC 1000 (ca. 1,25 mm)
Grundabdichtung und Haftbrücke für das Schaumsystem - OBIC 1306 Polyurethan-Schaum (≥ 15 mm)
- Ausgleich von Fehlstellen und Porosität
- Verbesserung der Stoß- und Abriebfestigkeit
- Hohe Rissüberbrückungsfähigkeit
- Aufbau einer tragfähigen Sandwichstruktur mit eigener Ringsteifigkeit
- OBIC 1000 (ca. 2,5 mm)
Nahtlose, elastische, chemikalienbeständige Deckschicht mit hoher Abrieb- und Medienbeständigkeit
Durch die extrem schnelle Erhärtung des Polyureas – rund 30 Sekunden pro Teilfläche – wurde die Stillstandszeit minimiert. Pro Schacht lag der Gesamtzeitbedarf bei etwa drei Stunden, sodass die Produktion weitgehend ohne Unterbrechung weiterlaufen konnte.
Projektfazit: Hohe Qualität, Kosteneffizienz und Klimaeffekte
Bauleiter Johann Tiefenthaler betont die besondere Herausforderung: „Die straffe Taktung und der notwendige Fokus auf Präzision trotz Zeitdrucks erfordern ein erfahrenes Team sowie die enge technische Unterstützung durch den Materialhersteller.“
Swietelsky-Faber ist als einziges Unternehmen in Deutschland exklusiv für den Einsatz der OBIC-Technologie zertifiziert – ein Vorteil, der sich direkt in Qualität und Effizienz widerspiegelt.
Zentrale Projektergebnisse:
- Deutlich geringere Kosten im Vergleich zu Kunststofffertigteilschächten
- Keine erforderlichen Tiefbauarbeiten, somit kein Bodenaushub
- Nachhaltiger Beitrag zum Umwelt- und Klimaschutz durch Vermeidung offener Bauweisen
- Hohe Beständigkeit des Polyureas gegen extreme Temperatur- und Medienbelastungen
- Minimale Betriebsunterbrechung dank schneller Reaktions- und Aushärtezeiten
- Vergleichbar hohe Nutzungsdauer unter den hohen Anforderungen im Vergleich zu Alternativausführungen
Swietelsky-Faber bedankt sich bei der Brauerei Tegernsee und der Firma OBIC für die professionelle und partnerschaftliche Zusammenarbeit. Das Projekt zeigt beispielhaft, wie moderne Polyurea-Systeme eine langlebige, wirtschaftliche und umweltschonende Alternative zur konventionellen Sanierung darstellen.

